Schottland 2007

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Infos vom Auswärtigen Amt
Einreise per Motorrad:
Deutsche Staatsangehörige können mit Reisepass / Personalausweis, für touristische Zwecke, einreisen.
Für die Einfuhr von Fahrzeugen gelten keine beschränkenden Auflagen.
Zur Fahrzeugversicherung ist eine grüne Versicherungskarte empfehlenswert.
| Einige Links | |
| Webadresse | Beschreibung |
| Fähre Ijmuiden-Newcastle | Fährtarife |
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| Ort | Land | Koordinaten | Bemerkungen |
| Newcastle | England | N54 59.562 W1 27.028 | Verladeort der Fähre |
| Roslin | Schottland | N55 51.341 W3 03.667 | Lage der legendären Rosslyn Chapel |
| Eilean Donan Castle | Schottland | N57 16.408 W5 30.783 | Das Schloss das als Kulisse für Filme wie James Bond und Highlander diente. |
| Handa Island | Schottland | N58 22.712 W5 10.852 | Vogelschutzinsel des Scottish Wildlife Trust |
Ceud Mìle Fàilte do Alba (gäl.)
Herzlich Willkommen in Schottland„Far have I travelled and much have I seen,
dark distant mountains with valleys of green.“
So beginnt die erste Strophe die Paul McCartney, mit seiner damaligen Band "The Wings", 1977 dem Mull (Kap) of Kintyre, im Süden Schottlands, widmete.
Mit dem Lied ist es ihm wirklich gelungen die wunderschöne Landschaft mit ihren freundlichen Menschen und der bisweilen melancholischen aber stolzen Atmosphäre einzufangen.
Doch der Weg in diese abgelegenen und verträumten Gefilde führte uns zunächst durch deutlich weniger idyllische, verregnete Autobahnen.
Da wir uns entschlossen hatten die Fähre (King of Scandinavia) ab dem bei Amsterdam gelegen Ijmuiden zu nehmen, lagen zunächst 490 km Asphalt vor uns.
Wir waren nicht wirklich zeitig los gekommen an diesem Morgen und so endete der Tag für uns in einem kurz hinter der Niederländischen Grenze gelegenen Örtchen.
Nachdem wir auf dem, ob der späten Stunde wegen, verwaisten "5€-Campingplatz" angekommen waren zogen wir nochmal in den nahegelegenen Dorfkneipe "Harlekijn", wo wir den Tag bei einem frisch gezapften "Grolsch" ausklingen ließen. Warum haben die Biergläser hier eigentlich die Größe von Fingerhüten?
Der bösen Überraschungen bot dieser Abend dennoch zweier:
Zum Einen sind die Benzinpreise selbst für uns, von der Ökosteuer gebeutelte Deutsche noch astronomisch hoch (vgl. D € 1,39/ NL € 1,60). Zum Anderen erwies sich meine selbstaufblasbare Isomatte als Fehlkauf und überdies defekt und ich schlief auf dem Boden.
Der nächste Tag begann mit verheißungsvollem Wetter und nach einer kurzen Kaffee-Pause in Zupten ging es zügig in Richtung Fähre. Auch die dreißig Kilometer Stau bei Amsterdam konnten uns nicht davon abhalten um 16.15 Uhr an der Fähre zu sein, welche um 16.30 Uhr mit dem Boarding begann. Der Umgang den die Niederländer mit dem Stau pflegten ließ auf eine gewisse Gewöhnung schließen, die uns ein Landsmann später bestätigte. Nicht auszudenken, wie es sich wohl in Deutschland abgespielt hätte. Ein Hupen und Drängeln.
Auf der Fähre angekommen lebten wir wie Gott in Frankreich und ließen uns, zur Feier des Tages, das Buffet Dinner der Marke „all you can eat“ schmecken. Vielleicht war es zu einem nicht unbeträchtlichen Teil die schiere Angst vor der uns erwartenden schottischen Küche, die uns zu dieser Investition von je € 29 hingerissen hatte.
Im Anschluss an das vorzügliche Essen begann ich das was sich zum „Running-Gag“ entwickeln sollte und startete so den ersten entschlossenen Versuch der Reparatur meiner Isomatte. Die Suche nach einem Loch verlief jedoch erfolglos.
Am nächsten Morgen um neun begann das Ausschiffen. Es ist schon erstaunlich zu erleben wie eine Reihe von Motorradfahrern ihre Böcke permanent starten, um sie dann mal ca. drei bis mal ca. fünf Meter darauf wieder zum Stehen zu bringen und auszuschalten.

Nach fluchtartigen Verlassens Newcastles und ersten Irritationen am linksdrehenden Kreisverkehr knatterten wir bei herrlichem Wetter nach Muphten, um uns erstmal mit Devisen und einem kleinen Imbiss auszustatten.
Wie uns der freundliche Wirt verriet war dies der erste Tag einer Reihe von vorausgegangenen Schlechtwettertagen.
Mit einigen Insidertipps und einer groben Wettervorhersage fuhren wir nun entlang der schönen Castle Route die das äußerste Ufer der Ostküste Nordenglands markiert.

Eine wunderschöne Strecke. Einzig die Eintrittspreise für die Castles schlagen mit 13 Pfund (für zwei Personen) unangenehm teuer zu Buche.
Weiter ging es über kleine Straßen auf einen Apple-Pie durch Moolen über die schottische Grenze bis nach Melrose, wo wir für den Tag bleiben sollten. Wer nun eine Grenze mit Schlagbaum, oder zumindest deren Überreste erwartet, wird enttäuscht. Lediglich ein Straßenschild unterrichtet den Fahrer über dessen veränderten Aufenthaltsort.
Bereits am Eingang des Platzes fiel mir ein Campingmobil mit Hamburger Kennzeichen auf. Eine erste Begegnung, der sich noch zahlreiche anschließen sollten. Das Abendessen erschien in der Gestalt einer Portion Spaghetti mit Sauce, einem Essen das wir noch deshäufigeren aßen.
Im Anschluss war es trotz fortgeschrittener Stunde noch immer ungewohnt Hell und so entschlossen wir uns zu der, laut Fontane „überhaupt unter allen Ruinen schönsten und fesselndsten“ Ruine, der Melrose Abbey zu gehen. Ein Weg der sich zweifellos gelohnt hat.


Wie wir am nächsten morgen, zeitig um acht, feststellen mussten befand sich unser (ausgelagerter) Teil des Campingplatzes praktisch direkt auf dem Sportplatz der benachbarten Schule. So herrschte dort ein reges Treiben und all diese Kinder in ihren Uniformen sahen ein wenig aus wie „Harry Potter“. Ein erneuter Versuch der Reparatur meiner Isomatte wurde von dieser jäh abgeschmettert und blieb im Ergebnis vergebens.
Scheinbar starten viele Motorradreisende ihre Touren in der Umgebung um Melrose und so ist es wohl eine Art Schocktherapie mit der das schottische Straßenverkehrsamt Touristen zur Aufmerksamkeit zu ermahnen versucht.
Ich nannte diese Strecke unsere persönliche „road of bones“, denn was da am Straßenrand in plakativen Lettern zu lesen war lautete etwa wie: „4 killed, 46 injured“. Dazu passte der sicherlich nur nett gemeinte Ratschlag dreier einheimischer Pub-Besucher die uns mit den Worten:“Watch the roads, they kill guys like you“ verabschiedeten.
Um nicht aus einer ganz anderen Ursache heraus umzukommen erwarb ich jedenfalls an diesem Tag eine neue sechs-Pfund-Isomatte, die so gar nicht mit dem Komfort meiner vorherigen mithalten konnte. Dafür sollte es an diesem Abend in Stirling mal keine Spaghetti sondern lecker Bohnen geben.

- Hätten wir bloß diese fette Wurst nicht dazu gekauft! –

Nachdem wir einen schönen Tag in Oban verbracht hatten – wir trafen da doch tatsächlich und rein zufällig einen Bekannten aus Hamburg - waren wir nunmehr in Fort Williams angelangt.

Leider hatte uns der Regen auf dem Weg dorthin komplett durch genässt und so viel die Wahl der Unterkunft –zwecks Trocknen der Klamotten- denn auch auf eine feste Behausung. In dem ortsansässigen McBackpacker lernten wir die Motorradreisenden Nils und Carsten kennen,
die wie wir vor dem Regen geflüchtet waren. Nach einer anständigen Ration Fish&Chips sah die Welt schon wieder viel besser aus und der Abend, mit späterem Besuch einer Sportsbar sowie eines Pub mit Karaoke-Party, konnte beginnen.


Selig schlief ich an diesem Abend in einem Schlafsaal in meinem Bett namens „Bonnie Prince Charlie“!
Trotz des Risikos erneut eingeregnet zu werden entschlossen wir uns tags drauf weiter zu ziehen. Gerne hätten wir zwar noch den „Ben Nevis“ gesehen, für ein derartiges Vorhaben war unsere Ausrüstung allerdings nicht alpin genug. Immerhin misst der größte Berg Großbritanniens stolze 1343 m.
Mit Hilfe von Nils präparierte ich mich für die Fahrt mit zwei Plastiktüten, die ich wie ein zusätzliches Paar Handschuhe über die Hände stülpte. Geholfen haben die jedoch auch nur mäßig und denkbar umständlicher gestaltete sich der nächste Tankstopp.


Ehrgeiziges Ziel war die Isle of Skye (Wolkeninsel), der größten Insel der Gruppe der „Inneren Hebriden“. Da wir gehört hatten, die Brücke sei nunmehr kostenlos passierbar, nahmen wir Abstand von dem Gedanken mit der Fähre hinüber zu setzen. So führte uns der Weg denn auch vorbei am Eilean (gäl. Insel) Donan Castle, oder sollte ich sagen „Highlander-Schloss“?
Nach diversen Filmproduktionen (darunter z.B. auch James Bond – Die Welt ist nicht genug) ist dieses sicher eines der bekanntesten Schlösser Schottlands. Traumhaft schön in einem Loch-Delta (Loch Alsh, Loch Long, Loch Duich) gelegen und nur über eine schmale Steinbrücke erreichbar liegt dieses, auf das Jahr 1220 zurückgehende, Castle malerisch dar.

Nach kurzem Fotostopp ging es leider, dem Regen geschuldet, weiter nach Skye. Auch hier hatten wir uns ein Backpacker rausgesucht, was sich als eine brilliante Idee entpuppte.
Am Abend lernten wir nämlich dort Claudia und Tilmann, sowie Ori, kennen. Mit den Dreien verbrachten wir einen geselligen Abend im Pub und eine geniale Sightseeingtour über die gesamte Insel, am nächsten Tag.
Unvergessen dabei das niedliche „Café Arriba“ in Portree oder unsere Klettertour zum „Old Man of Storr“.



Ebenso erwähnenswert und für einen Besuch zu empfehlen ist das Steilkliff „Kilt Rock“, sowie das „Fairy Glen“, eine schlicht bezaubernd schöne Landschaft.

Der erlebnisreiche Tag, unsere lieben Begleiter und das gute Wetter hatten uns zu einer weiteren Nacht auf Skye verführt. Allerdings blieben wir im Norden der Insel und zelteten direkt am Loch Dunvegan, unweit des von den ehemaligen Vorherrschern der Insel, den MacLeods, bewohnten Dunvegan Castle.
Am nächsten Morgen hatte das Wetter ein wenig umgeschlagen und wir machten uns, nach einem erneuten Tankstopp, auf in Richtung Festland.


Unser Weg führte uns dabei z.T. weiter in das in Küstennähe von Wasserläufen zerklüftete Inland.
Bei dieser Zick-Zack-Fahrt konnten wir deutliche Wetterwechsel spüren. Während es an der Küste sonnig und heiter war, hingen in den naheliegenden Bergen Nebel und Wolken, die das Thermometer zum Sturz führten.

Nach dieser Tagesetappe waren wir, aufgrund der besagten Umwege, schließlich nur 60 km Luftlinie nordöstlich unseres Startpunktes angekommen.
Von Nils und Carsten hatten wir einen Tipp bezüglich des Campingplatzes in Gairloch bekommen und der stellte sich als sehr wertvoll heraus.
Das direkt am dünigen Strand gelegene Sands Holiday Centre ist ein Campingplatz der Superlative.
Mit eigenem, gut sortiertem, Shop, hygienischen Sanitäreinrichtungen und vor allem direktem Blick auf das Meer überzeugte uns dieser Platz. Da auch das Wetter mitspielte entschieden wir uns hier einen weiteren Tag zu bleiben. So blieb also Gelegenheit zur Pflege der Ausrüstung und dem Waschen einiger Klamotten.
Dabei ging es u.A. auch um etwas, das sich längst zum "Running Gag" entwickelt hatte. Die Rede ist von meiner guten Iso-Matte.
Ein erneuter "Angriff" mit Seifenlauge ergab zunächst ca. 20 einzelne, winzig kleine, Löcher auf der unteren Vorderseite des Qualitätsproduktes. Immerhin wurde im Lieferumfang der Matte ein Klebstoff mitgeliefert. Nach dem Motto "die wissen schon warum sie den mitliefern" klebten wir also feinsäuberlich alle, der nunmehr mittels Kugelschreiber markierten, Löcher zu.
In hoffnungsvoller Erwartung wandten wir uns, während des Trocknens des Klebers, dem Spannen meiner Kette zu.
Wunderschön und hiermit sehr zur Nachahmung empfohlen ist der ca. 120 km lange Rundtrip um Applecross herum. Der 671 gegründete kleine Ort (gäl. a'Chomraich) gilt als einer der ersten christlichen Orte Schottlands.



Wer nun aber glaubt der Name sei auf das (christliche) Kreuz zurückzuführen irrt. Hier stand der nahegelegene "Fluss Crossan" Namenspathe.
Ebenfalls in unmittelbarer Nähe befindet sich der höchste Pass Schottlands, der "Belach na Ba".

Auf dem Rückweg ging uns allmählich der Sprit aus.

Wir schafften es gerade noch so bis zu einer der in den Highlands sehr dünn gesäten Tankstellen. Aber auch hier Fehlanzeige! Die Tankstelle hatte eine halbe Stunde vor unserem Eintreffen geschlossen. Wir standen etwas ratlos da und es wurde schnell klar, dass wir nicht weiterkamen. Beide Maschinen waren „trocken wie ein Martini“.
Hilflos blickten wir etwas genauer auf das mit einer Kette umringte Gelände und sahen eine Dame aus dem angrenzenden Wohnhaus in dem Kassenhäuschen verschwinden. Offenbar war sie damit beschäftigt Waren in die kleinen Regale des Shops zu sortieren.
Mittlerweile war noch eine Gruppe von Niederländern eingetroffen, die ebenfalls dringend Benzin benötigten. Ich ging also zu der erwähnten Dame, die all die Unruhe und das Treiben rings um ihre Tankstelle zu verdrängen schien. Ob sie evtl. eine Ausnahme machen würde und uns ein „late opening“ gewähren würde, war meine bescheidene Frage.
Überraschend aber dabei etwas mürrisch erwiderte sie, dass es jedoch einen Moment brauche bis die Software und die Pumpen wieder liefen.
Mit dieser freudigen Kunde kehrte ich also zurück zu der wartenden Meute und zauberte ein Lächeln auf das Gesicht jedes noch so harten Bikers.
Da konnte auch der horrende Preis unserer Erleichterung keinen Abbruch tun.
Am nächsten Tag ging es weiter und die Maschinen wurden wieder schwer bepackt.
Der vorhergehende Tag, an dem wir ohne die Alu-Koffer und zusätzliches Gepäck gefahren waren, hatte die lockere Kette Carolas Motorrad nochmals richtig hervorgehoben.
Und so traf es sich sehr gut, dass wir Dave kennen lernten.
Der pensionierte Fischer besserte sich seine Rente, als Hausmeister, auf dem dortigen Campingplatz auf. Dass er nebenbei auch drei Motorräder habe, ergab sich aus einem sehr netten und angenehmen Gespräch. Als er hörte, dass wir die Kette spannen wollten lud er uns sofort in seine nahegelegene Werkstatt ein, wo wir auch seine Frau Dorothy treffen durften.
Unglaublich nette Menschen die beiden! Dave kannte sogar Charley Boorman (Long Way Round), da diese gemeinsam in einem Motocross-Club gewesen waren. So erfuhren wir einige Insider-Infos zu dem gerade begonnenem Projekt „Long Way Down“. Z.B., so Dave, musste die vorab, aus Angst vor zuviel Medien- und Zuschauerpräsenz, im Geheimen gedrehte Abschiedsszene, erneut gedreht werden, da an den Motorrädern im Anschluss noch wesentliche Spezialumbauten (z.B. Tank) durch „Touratech“ vorgenommen wurden.
Unser nächster Stopp war dann in Ullapool, offensichtlich einer Art „melting pot“ für Motorradreisende. Hier trafen wir überraschenderweise auf Andrea und Martin, die wir vom „Elbfest“ aus Hamburg kannten. Ein Wort ergab das andere und so saßen wir den ganzen Nachmittag beim gemütlichen Kaffee und Scons in der sonnigen Hafenpromenade.
Da es schon etwas spät geworden war, erreichten wir nur noch das unweit entfernte „Achmelvich“. Ein Campingplatz mit eigener Fish&Chips-Bude, der im Grunde genommen sehr schön gelegen ist. Allerdings hätte uns der Name stutzig machen sollen. Man muß dazu wissen, dass die Schotten eine kleine Art Stechmücke als sog. „Mitches“ bezeichnen. Getreu dem Ortsnamen wimmelte es hier nur so von den kleinen Blutsaugern. Der eigentlich gut besuchte Platz wirkte daher gespenstisch ausgestorben.
Umgefallene Stühle, verwaiste Kochstellen und fluchtartig zurückgelassene Gegenstände zeugten von dem schutzsuchenden Verlassen ihrer menschlichen Nutzer. Erst später am Abend kehrte öffentliches Leben zurück auf den Platz.- Ohne uns!
Mitten in den Highlands, in gesunder Entfernung zu unserem Nachtplatz, nahmen wir am nächsten Morgen unser Picknick-Frühstück zu uns.

Die Ruhe und weite Menschenleere wurde nur kurz von einem gummistiefeltragenden überdies sehr vornehm bekleideten Spaziergänger unterbrochen. Mit den Worten: „What a nice day for it!“ ließ er uns offenbar seine bejahende Haltung zu unserem Picknick Ausflug wissen. Erwidernd „Isn’t it?!“ winkten wir ihm zu und er stapfte beseelt seines Weges.
Kurz darauf erreichten wir „Scourie Bay“ mit seiner Fähre zur Vogelschutzinsel Handa Island.
Mit dem Fährmann noch über das finanzielle unkend „Don’t pay the ferryman, don’t even fix a price...“ (Liedtext eines Schlagers von Chris de Burgh), ließ er mich wissen, dass ich besser niemals in die Musikindustrie gehen solle. Recht hat er, ich muss es wohl ziemlich schräg angesungen haben. Nach der zehnminütigen Überfahrt auf einem kleinen Alu-Motorboot landeten wir an auf dem vor einigen Jahren von einer Veterinärin erworbenen Vogelreservat.

Nur einige Ruinen zeugen noch von den letzten Menschen, die –von einer Missernte gebeutelt- hier vor etwa einhundert Jahren gen Kanada aufgebrochen waren.

Besonders interessant und niedlich fanden wir, neben den Skuas, Tordalken und Trottellummen (ja, die heißen so), die Papageientaucher, oder auch „Puffin“ (engl.). Die kleinen, kurz beflügelten, Kameraden fliegen zwar etwas plump und wirken dabei tollpatschig, sind dafür aber großartige Taucher.



Als wir am Abend schließlich den nördlichsten Punkt unserer Reise in „Durness“ markierten trafen wir dort erneut auf die beiden lieben Hamburger Anke und Walter. Wie bereits erwähnt hatten wir die beiden mit ihrem Wohnmobil immer wieder irgendwo, aus heiterem Himmel, getroffen. Schließlich waren wir so verblieben: Sollten wir uns tatsächlich nochmals treffen, dann wollten wir ein Glas Wein miteinander trinken. Gesagt getan; wir verlebten einen geselligen und angeregten Abend mit uns ungewohntem Komfort, der dem ungleich größerem Stauraum des Wohnmobils zuzurechnen war. Im Windschatten des besagten Reisemittels saßen also bis spät in den Abend, mit Blick von den Klippen hinunter auf den herrlichen Sandstrand der „Sango Bay“.
Über Nacht war ein kräftiger Wind und mit ihm Nebelschwaden über dem Platz aufgezogen weshalb wir nach der Verabschiedung von Anke und Walter eilig das Weite suchten.

Das ungemütliche Wetter hatte uns so nachhaltig verschreckt, dass wir an diesem Tag stolze 120 Meilen, bis zum legendäre Loch Ness (Lewistone), zurücklegten.

Diese lange Fahrt zog sich etwas hin und das gibt mir jetzt Gelegenheit eine kleine Anekdote einzuschieben, über die wir uns anfänglich die Köpfe zerbrachen.
(Wer diese überspringen möchte liest einfach einen Absatz später weiter.)
Auf den Hecks der schottischen Autos bemerkten wir häufig einen Aufkleber den die Nationalflagge (das weiße Andreaskreuz auf blauem Grund) ziert. In schwarzen Lettern stand dort zusätzlich das französische Wort für Schottland: “Ecosse“ geschrieben. Warum französisch und nicht englisch fragten wir uns.
Diese Frage vermochte uns leider zunächst keiner zu beantworten. Erst nach der Lektüre einiger Reiseführer wagte ich selbst eine kühne These zu formulieren, der mir später alle Befragten einvernehmlich zustimmten. Handelte es sich also bei der Wahl zum Französischen um eine Art Abgrenzung gegenüber Englands dessen Sprache man hier bewusst vermied? Warum wählte man dann nicht einfach das gälische Wort „Alba“?
Das Schotten und Engländer sich nicht wirklich grün sind ist sicher ein lange gewachsener und bis heute andauernder Prozess. Immerhin ist die schottische Pfundnote bis heute in England als Zahlungsmittel nicht anerkannt. Dabei handelt es sich um die identische Banknote, nur mit anderen Motiven auf der Rückseite. Englische Banknoten müssen daher auch in Schottland akzeptiert werden. Ein anderes Beispiel ist das erst seit 1999 wieder installierte und nur mit den Privilegien etwa einer Kommunalregierung ausgestattete schottische Parlament. Aus englischer Sicht ist Schottland, mit seiner hohen Arbeitslosigkeit und damit verbundener Sozialaufwendungen, ein mitunter ungeliebtes Appendix.
Zurück zu den Aufklebern: Blickt man zurück in der Geschichte, so liest man 1296 von der „Auld Alliance“. Nach dem Schottland verwüstenden Feldzug Edwards I. verbündeten sich die Schotten im Kampf gegen England mit den Franzosen.
Diese schottisch-französische Affinität bestätigt sich auch in Einflüssen der schottischen durch die französische Küche. Offenbart ein simpler Aufkleber hier also möglicherweise eine unausgesprochene und kollektive Gemütshaltung?
Am Loch Ness angekommen wollten wir eigentlich die dort auf einer Landzunge liegende, auf das 13. Jahrhundert zurückgehende Ruine des, Urquhart Castle besichtigen. Unser spätes Eintreffen, sowie ein Eintrittsgeld von schlappen 6,50 Pfund sprachen allerdings dagegen.


Also kehrten wir etwas früher als geplant auf unseren Campingplatz, einen eigentlichen Reiterhof, zurück. Am Abend hörten wir deutlich die Klänge des gerade stattfindenden Rock-Ness, vom Ufer des Loch Ness, herüberschallen.

Der ohrenbetäubende Lärm eines Rasenkantenschneiders mit Verbrennungsmotor sollte uns am nächsten (wohl gemerkt Sonntag-) Morgen wecken. Gnadenlos wurde stundenlang das Areal um die Zeltwiese bearbeitet um dann erst viel später die weiter entlegeneren Außenbereiche anzugehen. Da fällt einem eigentlich nix zu ein.
Über einen kurzen Kaffee in Inverness fuhren wir weiter bis in die Wiege so manches schottischen Whiskys. (Im Schottischen schreibt sich dieser übrigens ohne „e“ vor dem Ypsilon.)

In Dufftown (allein der Name lässt das Herz eines jeden Simpsonsfans aufleben) besuchten wir die Destillerie in der William Grant 1887 den ersten Malt gebrannt hatte. Namensgeber für den berühmten Single Malt Whisky ist das Wahrzeichen der Gegend, der Hirsch (gäl. Fiddich; Glen=Tal). Als einzige direkt vor Ort abfüllende Hochland Malt Brennerei bietet diese zudem eine kostenlose Führung durch das gesamte Gelände der, in der fünften Generation in Familienbesitz stehenden, Destillerie.
Wir hatten Glück, denn mit unserem Eintreffen begann, um 18.00 Uhr, just die letzte Führung des Tages.
Mit uns hatten sich zufälligerweise drei weitere Deutsche zu dem ca. dreivierstelstündigem Rundgang eingefunden und so wurde die Tour sogar auf Deutsch moderiert.
Nach der Präsentation eines eigenst produzierten Kurzfilms im eigenen Kino, begann der eigentliche Gang. - Schon bemerkenswert mit welcher Ruhe die Menschen ihre Arbeit fortsetzten. Von uns völlig unbeeindruckt und scheinbar völlig entspannt. Hier müsste man arbeiten!
Im Anschluss an die beseelte Tour und dem anschließenden "Überfall" des Merchandise-Shops ging es nach Dufftown, wo wir mal wieder Fish&Chips zum Abend aßen. Sehr lecker!
Am Abend lernten wir auf dem Campingplatz den lieben Maik und seine Frau Maria kennen. Er war uns sofort aufgefallen, da er einen wunderschönen und gut erhaltenen 1912er Ford "T" vor seinem Wohnwagen stehen hatte.
Am Nachmittag hatte er gerade noch einen Preis für den Wagen gewonnen und so war die Stimmung heiter und wir unterhielten uns bis in die Nacht. Dabei immer im Hinterkopf:"Don't mention the war!" - ein Scherz der immer wieder angebracht wurde und der zeigt, dass dies heute kein Tabuthema mehr ist, da man sich offen begegnet.
Eine Rundfahrt mit dem wunderschönen Oldtimer war am nächsten Morgen Mikes fabelhafte Idee. Den anderen Campern war der Neid auf unser Glück regelrecht anzusehen. Tja, kann halt nicht jeder mitfahren!


Mike hatte ein riesiges Allgemeinwissen und so erfuhren wir von ihm, weshalb die Schornsteine in Schottland häufig vier einzeln emporstehende Rohre aufweisen.
In den dortigen Häusern gibt es häufig keinen zentralen Kamin/Ofen. Vielmehr haben mehrere Zimmer autarke Öfen deren Gase jeweils separat nach außen geleitet werden. Hinzu kommt, dass die dieserorts verwandten einschaligen Schornsteine (Schacht ohne Innenrohr) weit anfälliger gegenüber Feuchtigkeit sind. Ein Umstand den man sich in Schottland kaum leisten kann. Auf dem Weg nach Süden fuhren wir schließlich weiter und passierten den "Devils Elbow". Mit seinen 665 m zählt dieser Pass in den Wintermonaten zu Schottlands beliebten Skigebieten.

Nach einem kurzen Kaffeestopp im wunderschönen, aber auch sehr touristischem, Braemer wollten wir uns eigentlich das Schloss Balmoral Castle ansehen. Leider verlangen die dort 7,50 Pfund für einen flüchtigen Blick in Teile des Sommersitzes der Queen. - Ein Luxus, den wir uns nicht leisten wollten.


Es zog uns also weiter und als ob dieser wunderschöne und sonnenverwöhnte Tag nie ein Ende nehmen wollte wurden wir im beschaulichen Kenmore jäh von einem Regenguß überrascht.

Panikartig suchten wir den nächstgelegenen Campingplatz auf. Doch: Fehlanzeige! Der auf der Karte verzeichnete Platz war nicht mehr und so landeten wir auf Umwegen in einem unpersönlichen Trailerpark. Der Regen hatte kaum nachgelassen und prasselte auf unsere Helme, als wir achselzuckend vor dem EIngangsportal standen.
Trotz strömenden Regens fuhren wir weiter und erreichten so die besonders erwähnenswerte Herberge "Adventurers Escape". Hier wurden wir -trotzdessen wir klitschnass tropften - sehr herzlich und enstpannt aufgenommen. Mit den Worten: "Ich komme nochmal wegen der Anmeldung zu Euch, wenn der Regen vorbei ist!" verabschiedete sich der Herbergsvater und überlies uns für den Rest den Abends der gemütlichen Unterkunft. - Hier gab es einfach alles: Eine riesen Küche, warme Duschen, Bücher, eine riesige Couch, Lebensmittel, ein Kamin, etc. Das beste von allem war jedoch, dass wir das restaurierte und mit Solartechnik ausgestattete, topmoderne Bauernhaus, ganz für uns alleine hatten.
Schnell entschlossen wir uns einen weiteren Tag hier zu bleiben und ersteinmal alles in dem großartigen Trockenraum aufzuhängen. Während Akkus luden, gewaschene Wäsche trocknete und wir uns entspannten machten wir uns auf zu einer kleinen Tour nach Pitlochry.
Hier gab es, neben vielen niedlichen Lädchen auch ein etwas skurriles Internetcafe, dessen Einganstür eher an den versteckten Zugang eines Geheimdienstes erinnerte.
Nach zwei sehr erholsamen Tagen hörte der Regen allmählich auf und wir machten uns wieder auf den Weg, gen Süden.
Der Tag entwickelte sich zu einem echten Kulturtripp, welcher uns zuerst an dem Wallace Monument vorbeiführen sollte.
Dieser 67 m hohe gotische Turm wurde 1869 dem Nationalhelden William Wallace (1270 bis 1305) gewidmet. Wallace hatte Wiederstand gegen die Engländer geleistet und seinen größten Triumph 1297 in der Schlacht von Stirling Bridge gefeiert. Dieser Held war auch Vorbild für die gleichnamige Hollywood-Produktion mit Mel Gibson.
Wir hatten riesiges Glück und erlebten, gleich nach Eintreffen mit dem kostenlosen Shuttlebus (wer mag geht den ca. einstündigen Fußweg), die Darbietung eines Schauspielers der aus dem Leben Wallace berichtete.
Nächstes Highlight des Tages war das Falkirk Wheel. Nein- dies hat nichts mit einem alten Folterinstrument zu tun, sondern es handelt sich dabei um das schlicht größte Schiffshebewerk Europas.

Den kulturellen Höhepunkt des Tages markierte jedoch der Besuch der auf das Jahr 1446 zurückgehenden Rosslyn-Kapelle.
Sagen ranken sich um das einst von den Tempelrittern genutzte Gebäude, welches im Grundriss dem Herodianischen Tempel in Jerusalem entspricht.

Rätselhaft sind eine aufwendig verzierte Säule, Abbildungen von damals unbekannten Pflanzen, sowie eine Sequenz von Mustern im Deckengewölbe.

Bei letzterem soll es sich, nach neueren Erkenntnissen, möglicherweise um sog. Chladnische Klangfiguren handeln. Dan Browns Roman "Sakrileg" berichtet von einer angeblichen These wonach der Heilige Gral im Inneren dieser Kapelle verborgen sein soll.
Beseelt von soviel Kulturellem trafen wir am Abend in "Roseta Camps" ein, wo wir den Elvis aus Friedberg kennenlernten. Nach Benzingesprächen während des Kochens und Essens spielten wir später einige Partien Dart im gemütlichen Pub. Elvis war gerade von der Isle of Man zurückgekehrt und hatte uns von der dortigen Tourist Trophy berichtet. - Unglaublich was er dort gesehen hatte. Ohne Worte!
An unserem vorletzten Reisetag passierten wir den Gray Mare's Tail Wasserfall. Leider hatten wir etwas Pech mit dem Wetter und der Wind blies so kräftig, dass wir nicht lange dort aushielten.
In einem kleinen Cafe im nahegelegenen Moffat wärmten wir uns wieder auf. Letzte Einkäufe machten wir in Langholm, schließlich wollten wir auch das ein oder andere Mitbringsel nach Hause bringen.
Als wir am Abend in Longtown (England) eintrafen regnete es wieder und so zogen wir uns schnell ins Zelt zurück um ein Hörbuch vom MP3-Player zu "lesen".
Leider war der Regen am nächsten Tag nicht gewichen und so verabschiedete sich Großbrittanien von einer Seite, die uns den Abschied erleichterte. Dennoch können wir nur sagen: Es war großartig und wunderschön. Oder wie die Schotten sagen würden:"Haste ya back" = Komm' bald wieder.
