Slowenien Mai-Juni 2006
Infos vom Auswärtigen Amt
Einreise per Motorrad:
Deutsche Staatsangehörige können mit Reisepass / Personalausweis bis zu drei Monate, für touristische Zwecke, einreisen.
Eine Verlängerung dieser Zeitspanne ist mittels Antrag (Aufenthaltserlaubnis EU) bei der zuständigen Verwaltungseinheit machbar.
Für die Einfuhr von Fahrzeugen bestehen keine nennenswerten Auflagen.
Zur Fahrzeugversicherung ist eine grüne Versicherungskarte empfehlenswert.
Ab 01.01.2007 kann im Lande mit Euro bezahlt werden.
Tabellarischer Kurzüberblick:

Kartenüberblick!! (Powered by GoogleMaps)
| Reisedaten Slowenien | |||
| Zeitraum | Land | Mitreisende | Bemerkungen |
| 22.05.2006 bis 10.06.2006 | Österreich/Slowenien/Kroatien | Wir(!) | Autoreisezug, Zelt |
Noch vor Reisebeginn muß hier dringend eine kleine Lanze gebrochen werden. Und zwar für den, der Carola's Moped überhaupt erst wieder fahrbereit gemacht und unseren Urlaub damit gerettet hat. Jemand, dessen Hilfsbereitschaft ihn an zwei Wochenenden jeweils hier anreisen ließ und der auch kein Regen etwas anhaben kann. Kurz: Super genialer Typ! Oder -mit einem Wort- Kai! -Vielen Dank für Deine Hilfe Kai. Glaub mir bitte, wir wissen dass sehr zu schätzen. Das es so etwas in den heutigen, egozentrischen und hektischen Zeiten überhaupt noch gibt...
Ich könnte noch viel Gutes schreiben, glaube aber, dass Kai die Lobhudelei nicht so gerne mag und ende daher jetzt mit einem schlichten aber treffendem: Danke!
Mal wieder begann eine unserer Reisen in Altona.
Nämlich genauer gesagt am dortigen Bahnhof, der zugleich Verladestelle des Autoreisezuges ist.
Wir hatten (es folgt Schleichwerbung) unsere Tickets rechtzeitig, also im vorausgeheden Winter, gebucht und daher super Konditionen erhalten. Für die Moppeds zahlten wir insofern pauschal EUR 9,99. Hinzu kamen noch die Tickets für die Personenbeförderung, was es auf EUR 100 (HH-Salzburg und zurück) brachte.
In Salzburg (ja- 2006 war das "Mozartjahr")angekommen staunten wir über strahlenden Sonnenschein und blauen Himmel.
Da Österreich uns also so herzlich empfing beschlossen wir noch ein paar Tage an den Ufern der schönen Seen zu verweilen.
Ach ja, da war noch ein technisches Problem! Ich hatte irgendwas vergessen. Nichts wirklich Wichtiges für eine Campingreise, aber irgendwie doch unangenehm.
Also, ehrlich gesagt ging es um meine Iso-Matte. So ohne war dann doch schlecht und nu' hab ich halt zwei davon.
Ich wollte sowieso schon immer eine neue kaufen könnte ich jetzt behaupten und würde lügen.
Wie auch immer, Österreich hat uns sehr gut gefallen und so schauten wir uns u.A. die Lumiei-Schlucht
und den Plöckenpass an, die allerdings mit EUR 6 zu Buche eines jeden Motorradfahrers schlägt.
Als wir uns dann endlich von Österreich und seiner Wiener-Melange getrennt hatten ging es über Italien nach Slowenien.
Im italienischen Grenzgebiet hat es diesen Lago del Predil, in dessen Uferauen es sich wunderbar wild Campen lässt.
Da allerdings ein Dauerregen unserem Besuch zuvor gekommen war, hatten wir am Abend Schwierigkeiten unsere im Supermarkt "gejagte" Spiralwurst zu grillen.
Erst dem Einsatz einiger Liter Brandbeschleunigers ist es zu verdanken, dass es schließlich gelang die morschen Hölzer zu entzünden.
Prompt als wir mit dem Essen fertig waren ließ der Regen nach und der Himmel riß auf.
Danke dafür Petrus. 'War nur ne Stunde zu spät, aber der Versuch zählt!
Wenig später waren wir am eigentlichen Ziel unserer Reise, dem beschaulichen ca. zwei Millionen Einwohner Ländle Slowenien, angekommen. Erster Stop war das schöne Bled, mit seiner märchenhaften Marienkirche die auf einer kleinen Insel inmitten des Bleder Sees gelegen ist.
Mit einem traditionellen, offenen Holzboot -der sogenannten Pletna- kann man übersetzen und die berühmte Wunschglocke betätigen. Wem's hilft?! (Die Campingplätze in Bled sind leider nicht besonders idyllisch. Gegen die Hygiene läßt sich allerdings nichts sagen!)
Schön war auch, dass man zu diesem Zeitpunkt noch in der Landeswährung (Tolar/SIT) zahlen konnte. Ein Kaffee kostete uns im Restaurant etwa EUR 0,50.
Man kann diesem Land nur wünschen, dass mit Einführung des Euro am 01.01.2007, nicht passiert was in Deutschland geschah. Eine Umrechnung wie sie in Deutschland erfolgte, also etwa 1:1, hätte für die Slowenen fatale folgen. Vergleiche dazu: Ein Euro entspricht z.Zt. etwa 240 Tolar/SIT. :-) Am nächsten Tag trafen wir uns mit Freunden Carolas, die sich -in dieser Konstellation- selbst als "Alt-Herren-Gruppe" bezeichnete. Sie kam uns aus dem Süden entgegen, wo sie über Himmelfahrt einige Tage verbracht hatten. Der Treffpunkt war eine relativ westernreife Kneipe, die im Niemandsland unmittelbar an der Slowenisch-Kroatischen Grenze lag. In "Bapno-Polje" warteten wir also, bei einem kühlen Zlatorog im "City Pub", auf das verspätete Eintreffen der Alt-Herren-Tourer. Schließlich kam der Haufen angeknattert. Sahen schon verwegen aus die herumvagabundierenden Enduristen, mit ihren spartanischen Ausrüstungen. Der Abend auf der nahegelegenen Kuhweide war ein echter Hit. Lagerfeuer und Benzingespräche bis in die Nacht. Klasse. Ein toller Haufen die "Alten-Herren"!! Obwohl wir mal gerade erst zwei Tage in Slowenien waren fuhren wir dennoch weiter gen Süden
und waren im Nu in dem mit ca. 4,5 Millionen Einwohner starken, vergleichsweise großen, Kroatien.
Der erste Streckenabschnitt führte uns durch geniale Pisten kreuz und quer durch die Slowenischen Berge.
Die Route hatten uns die "Alten Herren" getippst und ich muss sagen: Genial. Hier ist Slowenien sicher unerreicht, da es in vielen Bereichen touristisch noch gänzlich unerschlossen ist und gerade auch für Enduristen mit anspruchsvollen Geländen aufwarten kann.
Wer nun mit dem Namen Bora tendenziell positive Assoziationen zu einem Mittelklasse PKW verbindet, der sollte mal die Kroatische Adriaküste entlang fahren. Bora (wörtlich übersetzt "der Nördliche") bezeichnet hier einen kalten und böigen Fallwind, der es in sich hat.
Karl Marx fiel dazu 1856 die treffliche, nun folgende Beschreibung ein:
"Die Bora, der große Störenfried dieses Meeres, erhebt sich stets ohne das kleinste Warnungszeichen; mit der Gewalt eines Tornados überfällt sie die Seeleute und gestattet nur dem Kühnsten, auf Deck zu bleiben. Manchmal tobt sie wochenlang und am heftigsten zwischen der Bucht von Cattaro und dem Südende von Istrien. Der Dalmatiner aber ist von Kindheit an gewöhnt, ihr zu trotzen, er wird hart unter ihrem Atem und verachtet die armseligen Winde anderer Meere."
Das diese, die Dinariden herunterbrausende, Bora nicht nur persichen Flotten vor Athen zum Verhängnis werden konnte, zeigte Carola's stuntreifer Supersturz. Ich fuhr gerade hinter ihr durch eine langgezogene Talsenke, die wie eine Furche ins Gebirge geschnitten war. Nicht plötzlich, sondern eher langsam, wie in Zeitlupe, drängte es Carola immer weiter an den linken Fahrbahnrand der Schotterpiste. Dort angekommen legte sie sich ganz geruhsam nach links ab und vollzog zur allgemeinen Belustigung noch einen Purzelbaum über dortige Findlinge. Was hier in etwa so unspektakulär aussah wie das Herunterfallen eines reifen Apfels, barg doch ein gewisses Risiko. Zum Glück war aber nichts passiert, außer dass ich mich beinahe totgelacht hätte. Ganz schön tückisch, dieser Wind.
Wo ich aber gerade schon beim Thema Unfall bin... Eine kleine Exkursion in die hier ca. 1200 Meter hohen Dinariden forderte ein ähnliches Tribut. Was so harmlos bei strahlendem Sonnenschein begann endete in einem Fiasko. Als wir in den Bergen von einem schweren Hagelsturm überrascht wurden, verloren wir auch noch die Orientierung. Das GPS soff ab und bei dem Wetter kann man auch nicht wirklich gut Karte lesen. Die anbrechende Hektik kann ich jedoch nichtmal als Rechtfertigung anführen, denn bereits kurz vor Einsetzen des Unwetters legte ich mich ab. Der Sturz des, zum Glück nicht voll beladenen, Motorrads riß den linken Alukoffer aus seiner Befestigung.
Mit einem lauten Rumps landete dieser am Wegesrand, während ich mich mit dem Motorrad am Boden noch einmal um die eigene Achse drehte. Klasse dachte ich nur und da begann auch schon der Regen.
Die sich anschließende Odyssee verlangte uns einiges ab. Noch immer auf der Suche nach dem rechten Pfad fuhren wir durch z.T. noch oder wieder unerschlossene Wege. Völlig durchnässt und orientierungslos kamen wir schließlich zurück in die Zivilisation. Noch am selben Abend beschlossen wir das Festland mit seiner Bora zu verlassen und setzten über nach Rab.>
Als wir die Wartezeit an der Fähre mit dem Besuch in einem kleinen Restaurant am Hafen überbrückten, reichte uns der Wirt freundlich aber bestimmt einige Sitzkissen um sie zwischen unsere nassen Klamotten und sein Mobiliar zu legen. Beim Essen gingen uns nochmal die Bilder unserer Zeltnachbarn bei Senj durch den Kopf. Denen war praktisch über Nacht nicht nur das Oberzelt ihres Kuppelzeltes ins Meer geweht. Auch sämtliches Zeltgestänge war zerbrochen und das was vom Zelt noch übrig war, schrottreif. Wo wir gerade bei Senj sind...das dürfte doch so einigen ein Begriff sein, da es doch der Schauplatz für Kurt Helds Jugend-Roman "Die Rote Zora und ihre Bande" ist.>
Naja, zurück zur Fähre in der Kvarner-Bucht, die bereits eingetroffen ist und uns für ca. 10 EUR/Person übersetzte. Auf der Überfahrt hatten wir schon Spekulationen angestellt, ob die Bora auf der nahegelegenen Insel a) an Kraft verloren, oder b) an Wirkung sogar noch zugenommen haben könnte. Zu unserer Erleichterung war a) hier die richtige Lösung, was uns entspannte zwei Strandtage bescherte.>
Nachdem wir praktisch den südlichen Zenit unserer Reise erreicht hatten, ging es fortan nordwärts. Ein Inselhopping kam leider aus zeitlichen Gründen nicht mehr in Betracht und so fuhren wir erneut die lange Küstenstraße Primorskas entlang. Das für sein im Allgemeinen gutes Wetter bekannte Istrien enttäuschte leider wegen permanenten, starken Windes. Dennoch zahlten wir hier, auch außerhalb der Hauptsaison, stattliche Preise für Kost und Logis.
Hier erstmal vorab einige Fotos...

